M-Audio M-Track Solo & Duo - Test

M-Audio M-Track Solo und Duo

Erstaunlich erschwinglich

Vor allem der Einsteigermarkt für Audio-Interfaces ist hart umkämpft. Der bekannte Traditionshersteller M-Audio ist dieses Jahr mit zwei neuen Modellen in die nächste Runde gegangen. Wir haben uns das M-Track Solo und Duo angesehen.

Wenn man einmal gezielt nach Audio-Interfaces unter hundert Euro sucht, ist es fast unglaublich, wie viele Ergebnisse von wie vielen Firmen man mittlerweile dazu erhält. Dementsprechend groß ist der Konkurrenzdruck für jedes neue
Modell, das sich auf dem Markt behaupten muss. M-Audio versucht es trotzdem und kann dabei natürlich langjährige Erfahrung in die Waagschale werfen. Eigentlich sind es sogar zwei neue Modelle, die der Hersteller Ende letzten Jahres präsentiert hat: M-Track Solo und M-Track Duo. Beide USB-Interfaces bieten einen ausgesprochen preisgünstigen Einstieg ins Recording oder auch Podcasting. Das M-Track Solo ist für 53,99 Euro (UVP) zu haben, das M-Track Duo für 69,59 Euro (UVP). Die aktuellen Straßenpreise liegen sogar noch mal etwa zehn Euro unter dem UVP.

Gemeinsamkeiten

Beide M-Audio-Interfaces, M-Track Solo und Duo, sind Bus-Powered, werden also direkt über die USB-Schnittstelle des Rechners mit Strom versorgt und benötigen kein eigenes Netzteil. In beiden Interfaces kommen als Vorverstärker (Pre-Amps) die „Crystals“ von M-Audio selbst zum Einsatz. Warum das M-Track Solo dabei einen maximalen Gain von nur +54 dB liefert, das M-Track Duo hingegen von +60 dB, erschließt sich nicht so ganz. Auf jeden Fall aber stellen beide auch 48 V Phantomspeisung bereit, sodass die Nutzung von Kondensatormikrofonen kein Problem ist. An maximaler Auflösung stehen 48 kHz bereit, wenn auch nur bei 16 Bit. Das ist nicht herausragend, aber für diese Preisklasse absolut in Ordnung. Qualität sollte eben vor Quantität gehen. Jedoch punktet beispielsweise das preisgleiche Swissonic UA-2x2 mit 96 kHz und 24 Bit. Auch wenn es eigentlich selbstverständlich ist, soll hier wenigstens der Vollständigkeit halber noch erwähnt werden, dass es natürlich auch einen Kopfhörer- und Main-out-Anschluss gibt. Allerdings sind diese auf beiden Geräten unterschiedlich ausgeführt, worauf wir gleich eingehen.

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Anschlüsse

Was die Unterschiede angeht, so ist zum Beispiel der Main-out beim MTrack Duo mit Klinkenbuchsen ausgeführt, beim M-Track Solo mit Cinch-Buchsen. Mit Sicherheit hat sich das Entwicklerteam etwas dabei gedacht. Vielleicht hat man beim M-Track Duo mehr größere Studio-Setups im Blick, beim M-Track Solo mehr Laptop-Produzenten mit Computer-Boxen? Bestätigt wird dieser mögliche Eindruck dadurch, dass der Kopfhörerausgang des M-Track Duo ebenfalls eine 6,3-mm-Klinkenbuchse ist, beim M-Track Solo hingegen ist es erneut nur die kleine 3,5-mm-Klinke. Auch bei den Eingängen gibt es Unterschiede: Verfügt das M-Track Duo über zwei frontseitige Eingänge, die als XLR-/Klinke-Kombibuchsen ausgelegt sind und per Schiebeschalter zwischen Mikrofon- oder Line-Signal umgeschaltet werden können, bietet das M-Track Solo grundsätzlich auch zwei Eingänge (was der Name zunächst gar nicht vermuten lassen würde), wovon aber einer eine XLR-Buchse, der andere ein Klinkeneingang ist. Trotzdem sind es auch hier zwei Eingänge, Line und Instrumentensignale können genauso aufgenommen werden wie Mikrofonsignale, und deshalb bleibt es vielleicht auch hier eher das Fantasie überlassen, warum man es nicht gleich identisch gemacht und sich auf ein Interface beschränkt hat, oder wo hier der Konzeption tiefere Philosophie liegt. Die Namensgebung, „Solo“ und „Duo“, die rein sprachlich für die meisten wahrscheinlich einen beziehungsweise zwei Aufnahmeeingänge suggeriert, scheint diesbezüglich eher verwirrend als hilfreich.rm 012022 m audio m track m solo m duo anschluesse 2

Bedienelemente

Die Oberseite des M-Track Duo bietet vier Drehregler für die beiden Inputs, die Kopfhörer- und die Monitorlautstärke. Beim M-Track Solo sind es derer nur drei, wobei der dritte die Bezeichnung „Output“ trägt. Die Lautstärke für Monitore und Kopfhörer liegt dort gemeinsam an. Ob dieser vierte Drehregler nicht auch noch unterzubringen gewesen wäre und etwas mehr Komfort gebracht hätte oder warum es hier so entscheidend war, auf ihn zu verzichten, können wir auch nicht genau beantworten. Ein Unterschied ist noch, dass man beim M-Track Duo anhand eines Schalters den Output umschalten kann zwischen „Direct Mono“, „Direct Stereo“ und „USB“, beim M-Track Solo ist es nur zwischen „Direct“ und „USB“. Stellt man diesen Schalter auf „USB“, hört man nur das aus dem Computer abgespielte Signal, wählt man „Direct“, steht dieses für „Direct Monitoring“ und man kann abhörseitig die Eingangssignale gemeinsam mit dem Playback aus der DAW abhören.

Preise, Maße und Gewicht

Auf die Unterschiede müsste man vielleicht gar nicht so ausführlich eingehen oder sie in Frage stellen, wenn da nicht das (eigentlich erwartungsgemäß naheliegende) Argument wäre, dass man zwischen den beiden Modellen noch einiges Geld sparen könnte. In Wirklichkeit aber bekommt man das M-Track Solo derzeit zum Straßenpreis von 45 Euro, das M-Track Duo für 59 Euro – nicht einmal 15 Euro Unterschied. Kaum erwähnenswert also, noch dazu in einem Preissegment, das man ohnehin als mehr als nur erschwinglich bezeichnen dürfte. Die Preisdifferenz dürfte hier also nicht unbedingt das ausschlaggebende Argument sein. Falls man zwischen einem der beiden Modelle entscheiden muss, hat man etwas die Qual der Wahl und wird sich wahrscheinlich anhand der Anschlüsse entscheiden. Die äußeren Maße und Daten sind ebenfalls fast identisch (M-Track Solo B × T × H: 164 × 114 × 55 mm, M-Track Duo: 191 × 111 × 55 mm, Gewicht MTrack Solo: 0,3 Kilogramm, M-Track Duo: 0,365 Kilogramm). Mobil sind also beide ohnehin extrem, vielleicht ist beim M-Track Solo alles noch ein bisschen mehr auf „mobil“ und, wie man anhand der Anschlüsse vermuten könnte, „auf Laptop“ gemacht.

Praxis

Für unseren Praxistest stand uns das M-Track Duo zur Verfügung. Ein bisschen Installationsaufwand ist zwar nötig, aber er bleibt überschaubar. Apple-User sind hier im Vorteil, denn sie müssen das M-Track nur anschließen und können direkt loslegen. Windows-User hingegen müssen erst noch einen Treiber von der M-Audio-Homepage runterladen. Dieser steht in der neuesten Version 1.0.3. vom 2. Februar 2021 zum Download bereit – ziemlich aktuell also. Heruntergeladen ist er in Sekundenschnelle, da nicht groß, und dann muss man eigentlich „nur“ auf die EXE-Datei klicken, der Rest sollte sich komplett von selbst erledigen. Soweit die Theorie, die sich leider in diesem Fall als „grau“ erwiesen hat. Es sei ausdrücklich vorweggenommen, dass dies im Test nichts mit M-Audio zu tun hatte, sondern offenbar ein reines Windows-Problem war. Die Installation des Treibers ging zunächst problemlos vonstatten, allerdings
immer nur bis zu einem gewissen Punkt. Immer, wenn im Installationsfenster „Start Services“ stand, war das Vergnügen beendet. Es folgte dann eine Fehlermeldung, wir sollten sicherstellen, die nötigen Rechte (Berechtigungen) zu besitzen. Wir wandten dann alle Standard-Tricks an, die einem als Windows-User so einfallen, es half aber alles nichts! Die einzige Lösung war tatsächlich, den Rechner zu wechseln. Alles funktionierte auf Anhieb, wie es sollte und man es eigentlich erwartet. Selbes Betriebssystem (Windows 10, 64 Bit), selber Treiber von derselben Homepage heruntergeladen, nichts anders gemacht, und das M-Audio wurde sogar schon vor der Installation des Treibers automatisch per Plug & Play erkannt, stand sogar als Abspielgerät zur Verfügung, nur eben mit einem Universal-USB-Treiber. Doch auch die Installation der M-Audio-Software selbst war überhaupt kein Problem. Das beweist zumindest, dass unser Installationsproblem im Test weder an dem Interface noch an einem fehlerhaften Treiber lag.

Klang

Entscheidend ist und bleibt natürlich der Klang eines Interfaces. Hierzu kann nur Positives berichtet werden. Die Soundqualität, die aus dem MTrack Duo herauskam, konnte überzeugen und lässt insbesondere auch in der Preisklasse keine Wünsche offen. Schon das einfache, bloße Musikhören über Kopfhörer, ohne große weitergehende Recording-Ambitionen, macht schlicht Spaß – und man möchte kaum noch damit aufhören. Der Kopfhörersound hat richtig gut gefallen, was in dieser Preisklasse ebenfalls keine Selbstverständlichkeit ist. Dabei waren wir nicht zimperlich mit der Lautstärke, sondern haben auch einmal „richtig aufgedreht“. Kurz gesagt: Die Ohren waren schon vor dem Lautstärkeregler am Limit. Auch hörbare Verzerrungen waren Fehlanzeige, bei Stufe 9 von 10 fingen vielleicht die Höhen ein bisschen an zu klirren, aber das ist schon Jammern auf hohem Niveau. Der Qualität der Pre-Amps und Wandler muss man für dieses Einsteigersegment schon definitiv ein Lob aussprechen.

Software

Wie bei M-Audio-Produkten offenbar mittlerweile üblich – wir haben das zumindest unlängst bei Instrumententests wie der Keystation 88 MK3 und weiteren erlebt –, gehört auch bei den zwei hier vorgestellten Interfaces ein Software-Paket zum Lieferumfang. Dieses besteht aus der Pro Tools First M-Audio Edition, MPC Beats, 20 Plugins der Avid Effects Collection, der Gitarren-Amp-Simulation Eleven Lite und dem Synthesizer Xpand!2. Auch wenn in Reviews immer wieder darauf hingewiesen wird, dass es sich dabei um Software handele, die teilweise kostenlos erhältlich sei, ist es doch eine nette Zugabe. Denn so ein Komplettpaket ermöglicht es vor allem Einsteigern direkt loszulegen.

Fazit

Schon die Verarbeitungsqualität und die zeitgemäße optische Erscheinung können beim Auspacken der M-Audio M-Track Audio-Interfaces überzeugen. Im Vergleich zum etwas günstigeren M-Track Solo bietet das Duo ein gewisses Mehr an Ausstattung und Flexibilität – außerdem (wenn auch nicht ganz verständlich, warum) sechs dB mehr an Gain-Auflösung. Klanglich weiß das M-Track zu überzeugen. Natürlich reden wir hier immer noch über die Einstiegsklasse. Darüber, dass ein rund 15 Mal so teures Profi-Interface in puncto Wandlerqualität, Ausstattung und Routing-Möglichkeiten für große Produktionen noch einmal ein anderes Gewicht auf die Waage bringt, wird man nicht ernsthaft ein Wort verlieren müssen. Umso erstaunlicher ist aber die Qualität, die das M-Track Duo für unter 70 Euro bietet. Das kleinere M-Track Solo liegt sogar noch mal rund 15 Euro darunter. Das Preis- Leistungs-Verhältnis der M-Track-Interfaces dürfte seinesgleichen suchen!

 

Dieser Artikel wurde der Ausgabe des Recording-Magazins 01-2022 entnommen. Welche Sie hier erwerben können.

Recording-Magazin Ausgabe 01/2022

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