Test: Manley ELOP+

Mit dem ELOP+ präsentiert Manley das Nachfolgemodell des legendären ­­ELOP-Röhrenkompressors. Das neue Design und einige zusätzliche Features sollen den ELOP+ an die Bedürfnisse der heutigen Musikproduktion anpassen.

Legende mit Plus

Seit Anfang der Neunzigerjahre entwickelt und baut die in Kalifornien ansässige Firma Manley Laboratories röhrenbasierte Audioprozessoren für den Studio- und HiFi-Bereich. Seitdem gilt der Name Manley in der Studiowelt als Synonym für audiophile High-End-Geräte. Wer mit Manley-­Prozessoren arbeitet, zeigt, dass in seinem Studio höchste Qualitätsansprüche gelten und dass guter Sound wertgeschätzt wird. Neben Erfolgsmodellen wie dem passiven Equalizer Massive Passive gehört auch der ELOP-Röhrenkompressor zu den Klassikern. Bereits seit den frühen Anfängen gehört der ELOP in das Portfolio der Manley Labs und war jahrzehntelang eine verlässliche Größe. Aber auch in Kalifornien ist die Zeit nicht stehen geblieben und so entschloss man sich, den guten alten ELOP an die neue Produkt­linie der Firma anzupassen. Dabei herausgekommen ist der ELOP+. ­Neben einem frischen Äußeren wartet er auch im Inneren mit leichten Veränderungen und neuen Features auf.

Der ELOP+ ist, wie der Name verrät, ein elektro-optischer Kompressor (ELectro OPtical) mit einem komplett röhren­basierten Signalweg. Im Rack findet er auf zwei Höheneinheiten Platz. Das grundsätzliche Bauprinzip entspricht dem des legendären Teletronix LA-2A. Die eigentliche Bedienung des ELOP+ erfolgt, ebenso wie die des ursprünglichen ELOP, nur über zwei Drehregler. Der eine regelt die Verstärkung (Gain) und der andere die Gain Reduction (Reduction). Neu beim ELOP+ ist die Option, die Kompressionsrate (Ratio) zwischen 10:1 und 3:1 umzuschalten. Durch die zusätzliche Ratio von 3:1 erweitert sich das Spektrum der Aufgaben, für die man den ELOP+ einsetzen kann, noch mal ein ganzes Stück.

Design

Nach wie vor ist der ELOP+ sofort als echter Manley Prozessor zu erkennen – die massive Frontplatte des Gehäuses ist in den typischen Manley-Farbtönen gestaltet. Zwei große VU-Meter umrahmen das zentrale Manley Logo inklusive Produktbeschreibung (Stereo Optical Vacuum Tube Limiter Compressor).

Mittig darunter ziert ein gefräster ELOP+-Schriftzug die Vorderseite. Im Gegensatz zum früheren Manley-Style werden nun für alle Schaltvorgänge beleuchtete Drucktaster und keine Kippschalter mehr verwendet. Das erhöht die Übersichtlichkeit und gibt dem Ganzen einen moderneren Touch. Die weiteren Bedienelemente sind selbstverständlich für jeden Kanal einzeln vorhanden und sind auf beiden Seiten jeweils spiegelverkehrt angeordnet. Die beiden Drehpotis für Gain und Reduction sind bekannt wuchtige Vertreter, die sich aber geschmeidig bedienen lassen. Sie sind glücklicherweise etwas schwergängiger als beim Vorgänger, sodass einmal getätigte Einstellungen nicht durch einen unachtsamen Handgriff oder einen Windhauch gleich wieder verstellt werden. Der Ur-ELOP war in dieser Hinsicht weitaus anfälliger. Unterhalb der Drehpotis befinden sich jeweils vier Tasten, wobei drei davon in beiden Kanälen die gleiche Funktion haben. Die Funktion der vierten Taste unterscheidet sich in beiden Kanälen. Auf der linken Seite wird die Darstellung des VU-Meters zwischen Gain Reduction und dem Ausgangspegel umgeschaltet, auf der rechten Seite kann die Stereo-Verlinkung aktiviert werden. Die restlichen Taster betätigen das Hochpassfilter, die Umschaltung der Ratio zwischen „Comp“ und „Limit“ (3:1 und 10:1) sowie den Bypass.

Die spiegelverkehrte Anordnung der Bedienelemente ist sehr gewöhnungsbedürftig. Vielleicht geht es nur mir so, aber der Sinn dieses Aufbaus hat sich mir leider nicht erschlossen. Der Mensch ist ja ein Gewohnheitstier und da so ziemlich jedes Studiogerät, das ich bisher nutzen durfte, für den linken und rechten Kanal eine identische Bedienung aufweist, empfinde ich den hier gewählten Weg als unnötig verwirrend. Klar gewöhnt man sich auch daran, aber die durch die Drucktaster gewonnene Übersichtlichkeit geht so leider wieder verloren.

Bedienung

Nach dem Einschalten des ELOP+ startet zunächst einmal die Aufwärmphase. Erst wenn diese nach etwa 30 Sekunden abgeschlossen ist, wird der Signalweg freigeschaltet und der ELOP+ ist komplett einsatzbereit. Steht der Bypass auf „In“ (Taste leuchtet) ist die Dynamik­einheit aktiv und verrichtet ihre Arbeit. Wählt man den Stereo-Link-Modus (Taste leuchtet), wirkt sich die Arbeit der opto-elektrischen Einheit gleicher­maßen auf den linken und rechten Kanal aus. Dabei ist aber zu beachten, dass die Link-Funktion sich nicht auf die anderen Parameter auswirkt. Das bedeutet: Für jeden Kanal müssen Gain, Ratio und Hochpassfilter extra eingestellt werden. Das ist nicht wie bei vielen anderen Geräten, bei denen die Einstellungen am linken Kanal auch für den rechten gelten. Lediglich der Reduction-Regler wirkt beidseitig, wobei trotzdem immer beide Regler aktiv sind – am Ende ist der Regler ausschlaggebend, an dem der höhere Wert eingestellt wurde.

Wie beim LA-2A erfolgt die eigentliche Bedienung des ELOP+ lediglich über zwei Regler. Mit dem Gain-Regler legt man den Pegel fest und über den Reduction-Regler den Grad der Kompression. Es gibt weder einen Threshold-Regler noch Attack- oder Release-Zeiten, die man einstellen könnte. Ein Segen für jeden, der es gerne einfach mag. Die einfache Bedienung und die programmabhängig arbeitende opto-elektronische Dynamikeinheit sind die besten Vorraussetzungen für einen intuitiven und musikalischen Einsatz des ELOP+. Mit der neuen Möglichkeit, auch eine geringere Ratio von 3:1 zu wählen, ist der ELOP+ quasi dazu prädestiniert, ihn auch als Tool auf der Stereosumme einzusetzen. Ebenso verhält es sich mit dem schaltbaren Hochpassfilter, das in aktiviertem Zustand dazu führt, dass die Frequenzen unterhalb von 80 Hz (oder 150 Hz) nicht komprimiert oder limitiert werden. So löst das Kickdrum/Bass-Fundament die Kompression nicht aus und nur beim Einsatz der restlichen Instrumentierung wird verdichtet. Trotzdem ist der Einsatz auf einzelnen Instrumenten, der Drumgruppe oder den Vocals genauso großartig wie schon beim alten ELOP.

Klang und Einsatzgebiete

Klanglich macht der ELOP+ richtig Spaß. Egal ob Vocals, Bass oder Summensignal, die Dynamikbearbeitung des ELOP+ schmeichelt dem Signal einfach. Die Attacks bleiben gut erhalten, der Rest wird geschmeidig komprimiert – ein typisches Verhalten für diese Bauart und immer wieder beindruckend. Vor allem in der Kompressoreinstellung (3:1) kann man eine sehr unaufdringliche Verdichtung des Signals erzielen, die eigentlich immer gefällt. Unbestritten ist der ELOP+ auch im klassischen Einsatzbereich des „LA“-Prinzips, nämlich der Vocal-Kompression, zu Hause. Durchsetzungsfähige und verständliche Vocals, die direkt vor der Nase sitzen und trotzdem nicht nerven, sind kein Problem. Trotzdem nochmal der Hinweis, ein so wunderbares Gerät bitte auch in allen anderen Anwendungs­bereichen auszuprobieren. Optokoppler und Röhre sind einfach eine unschlagbare Mischung.

Fazit

Mit dem ELOP+ hat Manley einen angemessen aufgefrischten Nachfolger des ELOP geschaffen, der mit seinen neuen und sinnvoll gewählten Features zusätzlich punkten kann. Lediglich die spiegelverkehrte Bedienung gibt einen Punktabzug in der B-Note. Ansonsten alles richtig gemacht – Antesten dringend empfohlen!