Musik der Welt

Seit 1965 versorgt die Firma Sonoton Medienschaffende mit Musik für Film, Fernsehen und Videospiele. Wir trafen den Gründer Gerhard Narholz in der Münchner Firmenzentrale und sprachen mit ihm über die rechtlichen Hintergründe von Production Music.

Werden manchmal gezielt bekannte Titel abgewandelt?

Gerhard Narholz: Es gibt strikte gesetzliche Regelungen, wonach auch eine Phrase, die nur aus 2 Takten besteht, urheberrechtlich geschützt sein kann. Besonders kritisch sehen das die US-Anwälte, die mit Argusaugen (oder soll ich besser sagen „Argusohren“) Produktionen von Archivmusikkatalogen betrachten. Unsere Komponisten haben strikte Anweisungen, was die Originalität ihrer Kompositionen in jeder Hinsicht betrifft. Nur ein wirklich guter Komponist kann die Stilistik einer Musikrichtung fühlen und sie auch umsetzen, ohne dabei in die Nähe eines Plagiats zu geraten. Wir haben in USA einen Musicologist, der unsere Pop- und Rockproduktionen prüft. Wenn er einem Titel seine Zustimmung verweigert (das kommt gelegentlich , aber selten vor), wird der Titel nicht veröffentlicht.

Welche Rolle spielt die Gema in Ihrem Angebot?

Narholz: Die GEMA und ähnliche weltweite Verwertungsgesellschaften sorgen dafür, dass Komponisten für ihre Arbeit einen gerechten Lohn bekommen und dass Verlage davon zur Finanzierung der Verlagsarbeit einen Anteil erhalten. „Gemafrei“ ist ein Schlagwort, dass durch die Branche geistert und zu der irrigen Vermutung führen könnte, dass „gemafrei“ nichts kostet. „Gemafrei“ hat für solche Komponisten zur Folge, dass sie, wenn ihr Werk öffentlich aufgeführt, im Rundfunk oder Fernsehen gespielt wird, keine Vergütung bekommen. Ich denke daher, dass ein Komponist nur dann auf die Mitgliedschaft in der GEMA verzichtet, wenn er nicht erwarten darf, dass seine Werke im Rundfunk oder Fernsehen jemals gespielt werden. Es wird über die GEMA viel Negatives berichtet. Dabei vergisst man, dass Komponisten auch leben müssen, Familien haben und ein laufendes Einkommen brauchen. Dieses Einkommen muss irgendwoher kommen. Die GEMA sorgt dafür, dass Musikverwender faire Gebühren zahlen. Dadurch ermöglicht die GEMA den Musikbetrieb, wie wir ihn heute kennen. Aber es ist nur ein geringer Teil unserer Kunden, die direkt Lizenzen an die GEMA zahlen müssen. TV-Produzenten oder Produzenten von TV- Auftragsproduktionen, sowie die Produzenten von Werbespots haben mit der GEMA überhaupt nichts zu tun. Die Musikrechte solcher Produktionen werden durch Verträge zwischen den Sendern und der GEMA/GVL geregelt. Bei AV- und Werbeproduktionen bleibt lediglich das Herstellungsrecht, das beim Verlag erworben werden muss. Um die Frage mit einem Satz zu beantworten: Nur Produktionen, die nicht für das Fernsehen bestimmt sind, haben von der GEMA bescheidene Rechnungen zu erwarten. Werbespots und alle Arten von TV-Produktionen sind für den Auftraggeber und dessen Kunden „gemafrei“, weil die betroffenen Rechte durch Verträge zwischen der GEMA/GVL und den Sendeanstalten abgedeckt sind.