Logic Pro X Workshop (1): Edit-Funktionen und -Tools

Logic Pro ist Apples professionelle Audio-Produktions-Software – das Gegenstück zu Garageband, das bei Hobbymusikern populär ist. Logic Pro überzeugt durch seine umfangreiche Ausstattung und ist dabei recht preiswert. In diesem neuen Workshop wollen wir uns intensiv mit Logic Pro X befassen und zeigen, was mit der DAW alles möglich ist.

Neben Cubase und Pro Tools ist Logic Pro eine der meistgenutzten Digital Audio Workstations (DAW). Die ursprünglich von C-Lab/Emagic in Hamburg entwickelte DAW kam erstmals 1993 auf den Markt und wurde 2002 von Apple aufgekauft. Seitdem wurde die Software kontinuierlich weiter entwickelt. Logic Pro X bietet eine Fülle an Funktionen. In diesem ersten Teil des Workshops „Tipps & Tricks zu Logic Pro X“ sehen wir uns typische Edit-Funktionen und Edit-Tools an, mit denen euer Workflow an Fahrt aufnimmt.

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Wofür benötigt man die verschiedene „Einrasten“-Modi (englisch „Snap-Modes“) und welcher ist der passende?

Die Art des Einrastens bestimmt darüber, wie und wo ein Auswahlbereich mit der Maus getroffen wird. Die Wahl des Rasters hängt von der gewünschten Arbeitsgeschwindigkeit und der Raster-Genauigkeit eurer Auswahl ab.

Beispiel: Wenn ihr bei einem mehrstimmigen, unisono gesungenen Background-Chor in einem längeren Song die Passagen ohne Gesang herausschneiden möchtet, eignet sich zunächst das etwas gröbere Takt-Raster. In diesem Fall könnt ihr sehr zügig viele Teile der Audio-Regions ausschneiden, in denen nur Atmosphäre und kein Gesang zu hören ist. Ihr müsst nicht besonders akkurat mit der Maus agieren, da sich die Markierungen genau an den Taktanfängen orientieren, was Zeit sparen kann. Die Auswahl berücksichtigt übrigens auch ungerade Taktarten.

Nun wird die Rastereinteilung immer kleiner und genauer: von „Beat“- über „Ticks“- bis hin zu „Sample“-genauen Edits. Des Weiteren könnt ihr auch in Abhängigkeit des Film-Timecodes SMPTE schneiden, wenn es um die Audiobearbeitung in Synchronisation zu einem Video geht („Frames“ oder „Quarter-Frames“). Je genauer die Rastereinteilung, desto tiefer sollte eure Zoom-Stufe sein. Hier geht es um feinfühligere Edit-Arbeit, bei der ihr genau hinschauen müsst, um keine Beschädigungen an der Wellenform zu verursachen.

Solltet ihr das Einblendmenü „Einrasten“ im Bereich „Spuren“ vermissen, sind eure „erweiterten Werkzeuge“ im Bereich „Erweitert“ in den „Einstellungen“ nicht angeschaltet. Das Raster „Intelligent“ kombiniert alle Raster-Einheiten in Abhängigkeit der Lineal-Einstellung und der Zoom-Stufe. Wenn ihr also im Edit viel zwischen Zoom-In und Zoom-Out hin- und herschaltet, ist dieses Raster besonders praktisch.

Worin unterscheidet sich der relative vom absoluten Wert? (englisch „relative/absolute mode“)

Angenommen, eine Audioregion beginnt inmitten des zweiten Takts und ihr wollt sie an die gleiche Stelle inmitten des achten Takts verschieben. Wenn euer Raster auf „Takt“ geschaltet ist, würde sich die Region im „Absolute Mode“ automatisch nur auf einen Taktanfang positionieren. Im „Relative Mode“ lässt sich das File in Abhängigkeit zur ursprünglichen Position der Audioregion im Takt verschieben, selbst wenn euer Raster auf „Takt“ geschaltet ist. Mit dem Rastermodus  „Intelligent“ könnt ihr die Region frei verschieben.

Wie kann ich ein drittes Edit-Tool auf die rechte Maustaste legen?

Für gewöhnlich ist die linke Maustaste mit dem „Zeigerwerkzeug“-Tool belegt. Bei gleichzeitigem Drücken der cmd-Taste und Klicken der linken Maustaste lässt sich ein weiteres Edit-Tool nutzen. Die meisten wechseln in dieser Position zwischen dem „Marquee“- oder dem „Scheren“-Tool. Beide Belegungen sind im Hauptfenster einzusehen.

Die rechte Maustaste öffnet werksseitig das Werkzeug- und Kontextmenü. Falls ihr diese auch mit einem Edit-Tool belegen möchtet, könnt ihr sie unter „Allgemein“ in den „Einstellungen“ im Bereich „Bearbeitung“ mit einem Tool belegen. Häufig wird die rechte Maustaste mit dem Zoom-Werkzeug belegt.

Welche Edit-Möglichkeiten bringt das „Zeigerwerkzeug“?

Das „Zeigerwerkzeug“ ist euer wohl wichtigstes Tool in Logic Pro X, mit dem ihr Regions anfassen und bearbeiten könnt. Es entspricht dem Pro-Tools-„Grabber“-Tool. Wenn ihr die control-Taste beim Bewegen einer Region gedrückt haltet, könnt ihr sie unabhängig vom Raster samplegenau verschieben. Bei zusätzlichem Betätigen der alt-Taste könnt ihr rasterlos kopieren.

Wenn ihr euch mit dem Zeiger zum unteren Rand ganz links oder rechts der Region bewegt, könnt ihr die Region weiter auf-/zuziehen. Dies ist limitiert durch die maximale Länge der Region. Die ursprüngliche Länge bleibt weiterhin erhalten, auch wenn ihr Fades setzt. Das Auswahltool wird symbolisch zu einer eckigen Klammer. Am oberen Rand rechts an der Region verändert sich das Auswahltool zu einem Loop-Tool, sodass ihr die Region beliebig oft loopen könnt. Bedenkt aber auch bei Loops, Fades zu setzen, um Knackser zu umgehen.

Des weiteren könnt ihr am unteren rechten Rand die Region in der Länge stretchen oder komprimieren; quasi schneller oder langsamer machen. Haltet dazu die alt-Taste gedrückt und verändert so die Dauer der Region. Je größer die Veränderung, desto mehr verliert ein Audiofile an klanglicher Qualität. Mit „Flex-Time“ lassen sich allerdings besser Resultate im Bereich Audio-Stretching erzielen.
Um Fades zu erzeugen, drückt ihr einfach shift und control während ihr am Anfang oder Ende der Region eine Auswahl für den Fade-Bereich trefft. Somit könnt ihr euch die Anwahl des Fade-Werkzeugs ersparen. Die entstandene Fade-Kurve lässt sich durch Drücken von shift und control logarithmisch oder exponentiell verändern, wenn ihr in der Mitte des Fades die Auswahl trefft. Die Länge der Fade-Kurve lässt sich mit derselben Tastenkombination verändern, wenn ihr das Auswahl-Tool im oberen Bereich der Kurve des Fades positioniert.

Was ist der Unterschied zwischen dem Marquee- und dem Scheren-Tool?

Das „Marquee-Werkzeug“ ist ein praktisches Tool für vielerlei Bearbeitungen an Regions. Ihr könnt damit abhängig von eurem Raster eine oder mehrere Region-Teile markieren, entfernen, bewegen oder schneiden/separieren.

Wenn ihr beim Bewegen die alt-Taste gedrückt haltet, bleibt die Region an der ursprünglichen Position vorhanden und wird an den neuen Spot kopiert. Der Vorteil gegenüber dem Schneidewerkzeug ist, dass ihr mit einem Mausklick die Auswahl trefft und dann direkt schneiden und verschieben könnt. Beim Schneiden müsst ihr erst auswählen, dann die zwei Schnitte setzen und anschließend den geschnittenen Teil nochmals auswählen und verschieben. Um Teile einer oder mehrerer Regions zu entfernen, markiert ihr sie einfach und drückt die Entfernen-Taste.

Das Schneide-Werkzeug eignet sich meist noch besser, um Regions zu separieren. Hier muss nicht erst eine Auswahl getroffen werden, sondern man kann mit einem Click in die Region(s) reinschneiden. Wenn ihr zusätzlich die alt-Taste gedrückt haltet, wird die gesamte Region in der gewählten Unterteilung geschnitten. Schneidet ihr zum Beispiel ein achtaktiges File nach einem Takt, wird in diesem Fall jeder der acht Takte separiert. Alle Tools orientieren sich am ausgewählten Raster, das ihr, wie beschrieben, unter „Einrasten“ auswählen könnt.

Kann ich Automationskurven auch mit der Maus „malen“?

Öffnet das Automationsmenü im Hauptfenster mit dem Shortcut A.Wählt das „Stiftwerkzeug“ aus und zeichnet die Automationskurve mit der Maus. Je größer die Zoom-Stufe, desto genauer könnt ihr malen. Das „Stiftwerkzeug“ bietet darüber hinaus die Funktionen, Audiofiles zu importieren oder leere Midi-Regions in einer angeklickten Position zu erzeugen. Klickt dazu mit dem Stift einfach in den gewünschten Takt einer leeren Audiospur und das „Open-File“ Menü öffnet sich. Das dann ausgewählte File wird an die angewählte Position am Taktanfang eingefügt. Um eine leere Midi-Region zu erzeugen, geht ihr genau so vor, wie bei der Audio-Spur.
Lässt sich das Tool-Menü auch per Short-Cuts anwählen?
Durch Drücken der T-Taste erscheint das Tool-Menü. Jedes Tool lässt sich mit einem einfachen Buchstaben-Shortcut auswählen (zum Beispiel „P“ für das „Stiftwerkzeug“). Auf diese Weise ändert ihr das Linke-Maus-Werkzeug. Ihr könnt auch das cmd-Tool ändern, indem ihr die gleichen Aktionen, wie beschrieben, durchführt, aber bei der Auswahl des Tools die cmd-Taste gedrückt haltet. Mit etwas Übung lässt sich der Wechsel der Tools ohne Hingucken in den Workflow einarbeiten.

Gibt es bei Logic Pro X auch das beliebte Pro-Tools-Smart-Tool?

Ja, durchaus. Das Smart-Tool in Pro-Tools ermöglicht es bei Nutzung des Zeigerwerkzeugs abhängig von der Positionierung des Zeigers auf der Region, verschiedene Tools zu nutzen zu, ohne dabei weitere Tastenkombinationen anwenden zu müssen. Diese weiteren Tools sind das „Fade-Werkzeug“ und das „Marquee-Werkzeug“. Bewegt euren Zeiger in den oberen Bereich links oder rechts der Region und es erscheint das Fade-Symbol.

Bewegt euren Zeiger in den unteren Bereich der Region und es erscheint das „Marquee-Werkzeug“. Unter „Einstellungen“ + „Audio“ lassen sich die Klickzonen für das „Fade-Werkzeug“ und das „Marquee-Werkzeug“ anwählen. Das Loop-Tool und das Trim-Tool bleiben weiterhin aktiv.

Müssen Fades immer manuell erzeugt werden?

Solange Audio-Regions sich nicht überlappen, müssen Fades manuell auf die in diesem Workshop beschriebenen Verfahrensweisen erstellt werden. Wenn ihr aber aneinanderliegende Audiospuren editiert, könnt ihr euch des „Drag“-Menüs (deutsch „Verschieben“) bedienen und „X-Fades“ automatisch erstellen lassen.

Beispielsweise wollt ihr zwei verschiedene Takes eines Gitarrensolos miteinander verbinden. Um Töne nicht abzuschneiden oder Knacksen entstehen zu lassen, sucht ihr mit hoher Zoom-Stufe einen Verbindungspunkt zwischen beiden Regions. Dieser soll keine großen Amplituden (also zum Beispiel einen gehaltenen Ton) beinhalten und ungefähr am Nulldurchgang liegen. Mit der Aktivierung von „X-Fade“ werden die beiden Regions mit „Fade-Out“ beziehungsweise „Fade-In“ versehen.

Kann man den Drum-Edit schneller durchführen, also ohne jede Spur manuell zu säubern?

Die Lösung heißt „Strip Silence“ (deutsch „Stille entfernen“) und ist insbesondere für Drum-Edits eine große Hilfe. Häufig möchte man die Bassdrum und die Toms von Geräuschen und Schlägen befreien, die zu anderen Instrumenten des Schlagzeugs gehören. Wenn ihr im Solo-Modus in die Toms einer Schlagzeugaufnahme im Rock-/Metal-Genre hineinhört, werdet ihr wahrscheinlich ein andauerndes Mitschwingen der Toms hören. Dies kann bei starker Kompression unangenehm werden und den Tief-Mitten-Bereich eures Mix negativ überladen.

Im Prinzip agiert die „Strip Silence“-Funktion wie ein „Gate“, jedoch werden die unter den „Threshold“ fallenden Audioabschnitte zunächst separiert und dann entfernt. Es bleiben nach Ausführung der Funktion viele kleine „Slices“ (deutsch „Scheiben“), die man zum Ende des Edits zusammenkleben sollte.
Fügt eure Audio-Regions in die Session ein, wählt eine Audio-Spur aus und drückt control + X. Das „Stille entfernen“-Fenster öffnet sich. Die Wellenform der Audio-Spur wird dargestellt und Vierecke umschließen die Transienten. Mit dem ersten von vier bedienbaren Parametern, „Schwellenwert“ (=Threshold), bestimmt ihr, welche Lautstärke in dB ein Transient mindestens haben muss, um nicht weggeschnitten zu werden. Die Transienten innerhalb der Quadrate zeigen also, welche nach Ausführung von „Strip Silence“ noch vorhanden bleiben.

Der folgende Paramater, „Mindestdauer für Stille“, bestimmt die Mindestdauer für alle ausgewählten Transienten. Hier orientiert ihr euch am besten im Bereich 0,0300 Sekunden. Wenn die Einstellung zu kurz ist, kann sich der Klang nicht ausreichend entfalten. Wenn die Mindestdauer zu lang eingestellt ist, werden die einzelnen Slices wieder zusammengefügt.

Da „Strip Silence“ transientenorientiert arbeitet, könnt ihr mit dem Parameter „Pre-Attack-Zeit“ den Beginn des Slice bestimmen. Meistens ist es sinnvoll, kurz vor dem Attack etwas zeitlich Vorlauf zu haben, damit der Attack nicht abgeschnitten wird. Zumeist ist 0.0100 Sekunden ein guter Richtwert.

Der letzte Paramater „Post-Release-Time“ bestimmt die maximale Länge der Slices, fügt diese aber nicht zusammen wie bei „Mindestdauer für Stille“. Zuletzt solltet ihr das Häkchen „Nulldurchgänge suchen“ anklicken, damit die Separation immer am Nulldurch passiert und keine Knacksen entstehen. Das wäre irreparabel.

Vor Ausführung der Funktion solltet ihr alle Transienten nochmal gegenchecken, sodass nicht aus Versehen doch ein Transient des gewünschten Instruments weggeschnitten wird. Dazu müsst ihr lernen, Transienten lesen zu können. Im Falle des Drumkits sollte es aber meistens so sein, dass die Transienten des gewünschten Instruments (zum Beispiel die Bassdrum-Spur) optisch größer sind, als die „Bleed“-Transienten wie Snaredrum, Toms et cetera. Wenn die ungewollten Transienten fast genau so laut in der Bassdrum-Spur vorzufinden sind, solltet ihr besser auf „Strip Silence“ verzichten und manuell alle Störsignale herausschneiden.

Jedes Slice sollte mit einem kleinen Fade-Out (Wert 2/3/4) versehen werden. Diese sehr kurzen Fades solltet ihr nicht mit einem Fade-Werkzeug in der Audio-Region machen, sondern im Menü einstellen. Markiert dazu alle Slices, öffnet oben links im Hauptfenster das Informationsfeld (Shortcut: Buchstabe I) und wählt unter „Mehr“ einen Fade-Out-Bereich aus. Das Feld neben „Fade-Out“ ist nur ausgegraut. Klickt einfach hinein, zieht die Maus nach oben oder schreibt mit den Nummer-Tasten einen Wert hinein. Dadurch entsteht ein Fade-Wert.

Allerdings gibt es auch den gegensätzlichen Ansatz, das Drumkit nicht zu editieren und alles, das mitschwingt und mitklingt, als Gesamtklang des Kits zu beurteilen. Hier entscheidet schlussendlich der persönliche Geschmack.

Dieser Workshop erschien im RecMag 1/19. Wir präsentieren in jeder Ausgabe einen weiteren Teil der Logic Pro X Workshop-Reihe.

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