FabFilter Pro-C 2

Der Pro-Q 2 von FabFilter ist die Allzweckwaffe unter den EQ-Plug-ins. Mit dem Pro-C 2 gibt es das Dynamics-Äquivalent dazu.

Allzweckwaffe

Das Konzept bei FabFilter scheint es zu sein, Plug-ins zu schaffen, die alle anderen Plug-ins überflüssig machen. Es lässt sich kaum eine mögliche Option für einen Kompressor finden, die nicht im Pro-C 2 untergebracht wäre. Selbst eher seltene Anwendungen finden Berücksichtigung und machen den Kompressor so vielseitig, dass es einem Angst machen kann.

Das betrifft vor allem den Erstkontakt mit der Bedienoberfläche: Es gibt so viele Einstell-Möglichkeiten, dass man sich zunächst leicht verlieren kann. Gleichzeitig sind alle Optionen so logisch angeordnet, dass die Einarbeitungszeit überschaubar bleibt. Die großen Regler formen den Kern des Kompressors: Threshold, Ratio, Attack, Release. Etwas kleiner fallen Make-up-Gain und Mix-Regler aus. Dann finden sich aber schnell die ungewöhnlicheren Optionen, die neue Anwendungen ermöglichen.

Kompressor-Standards Plus

Die Knee-Einstellung kennt man bereits von manchen Kompressoren.Sie bestimmt, wie stark die Kompression bei Überschreiten des Threshold einsetzt. Mit dem Range-Parameter kann man die maximale Gain-Reduction beschränken, um zu heftige Eingriffe in das Material zu vermeiden. Lookahead kennt man eigentlich schon, ungewöhnlich ist aber die einstellbare Zeit, mit der im Grunde negative Attack-Werte möglich sind – der Kompressor beginnt zu arbeiten, bevor der auslösende Transient im Signal auftritt. Vorsicht: Die Lookahead-Zeit erzeugt eine Latenz in der Signalverarbeitung! Der Hold-Regler ist bei Kompressoren sonst nicht zu finden, man kennt ihn eher von Gates: Er bestimmt eine Zeit, die zwischen Unterschreiten des Threshold und Einsetzen der Release-Phase vergeht.

Außergewöhnlich ist auch die Anpassbarkeit des Key-Wegs. Im Sidechain findet sich neben der Umschaltung zwischen internem und externem Trigger-Signal eine sehr umfassende Filter-Sektion, die neben Hoch- und Tiefpass auch ein vollparametrisches Mittenband hat, mit dem sich das Steuersignal intensiv anpassen lässt. Über Audition lässt sich der Key-Input einzeln abhören und mit dem Stereo-Link-Parameter kann man bestimmen, wie stark der Einfluss des linken auf den rechten Kanal sein soll und vice versa.

Erstaunlich sind die Anzeigen des Plug-ins, die wirklich Nutzen ziehen aus den Möglichkeiten, die die Arbeit am Computer bietet. So lässt sich nicht nur das Audio-Material visuell darstellen, auch das Knee sowie die Gain-Reduction sind in optischen Anzeigen umgesetzt – und das in wirklich hilfreicher Weise. So lassen sich getätigte Einstellungen auch nach Augenmaß prüfen – wenngleich das natürlich nicht kritisches Hinhören ersetzen darf.

Praxis und Klang

Der FabFilter Pro-C 2 ist ein Funktions-Monster, das ist schnell klar. Er beherrscht vom dezenten Andicken eines Signals bis zur völligen Zerstörung von Transienten alle Anwendungsgebiete und kann dadurch nicht nur als Dynamik-Begrenzer, sondern auch als effektives Klanggestaltungs-Werkzeug eingesetzt werden. So lässt sich bei einer eigentlich eher punchy klingenden Bassdrum problemlos der Kesselton hervorheben. Geht dabei der Attack verloren, lässt sich über den entsprechenden Dry-Regler ohne Umstände das Originalsignal wieder zumischen, bis der Gesamtsound passt.

Die große Stärke des Kompressors ist gleichzeitig seine größte Schwäche: Mit Leichtigkeit kann man ein gutes Signal optimieren oder eine schwache Aufnahme aufpolieren – mit derselben Leichtigkeit kann man eine gelungene Aufnahme ruinieren. Besonders die Zeitparameter sind ebenso effektiv wie gefährlich. Dank umfangreicher Monitoring-Funktionen, die beispielsweise auch das Abhören nur des von der Kompression betroffenen Signalanteils zulassen, hat man jedoch jederzeit die Kontrolle über das Ergebnis. Übrigens: Diese Funktion lässt sich wunderbar zweckentfremden, indem man die Parameter auf die wichtigen Transienten einstellt und das Monitoring dann aktiviert lässt. So hat man schnell den Punch vom Kesselton getrennt – ein erstaunlich schnell einzustellendes Gate zur Trennung von Punch und Ton, dank Lookahead-Funktion ohne Beeinträchtigung der Transienten.

Wenngleich nicht einzigartig beim Pro-C 2, ist die dynamische Knee-Anzeige ein hervorragender Helfer bei der Trennung von Nutzsignal und Übersprechen. So leicht wie mit dieser Anzeige lässt sich der Threshold kaum perfekt so einstellen, dass nur das Nutzsignal betroffen ist.

Eines sollte aber unbedingt klar sein: Der Pro-C 2 ist keine Vintage-Emulation! Wer auf der Suche nach dem Sound klassischen Tonstudio-Equipments ist, sollte sich vielleicht anderweitig umsehen. FabFilters neuer Kompressor ist ein moderner und ungeheuer flexibler Sound-Gestalter, der nicht einem vergangenen Klang nacheifert, sondern stattdessen dem Nutzer die Welt der Dynamikbearbeitung an die Hand gibt.

Fazit

Der FabFilter Pro-C 2 ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, was ein Plug-in leisten kann, wenn es sich nicht auf die Emulation alter Tugenden beschränkt. Der Kompressor verspricht viel – und leistet noch mehr durch die mögliche Zweckentfremdung als Gate. Für den aufgerufenen Preis fällt es schwer, dieses Plug-in nicht zu empfehlen. Wer keinen magischen Klangzauberer sucht, sondern ein umfassendes und flexibles Werkzeug für alle Belange der Dynamik-Bearbeitung, kann bedenkenlos zugreifen und sich von FabFilter demonstrieren lassen, was ein Kompressor alles kann.