DP-Tonstudio: Spezialist für Schlagzeug- und Percussion

Während anderswo Studios geschlossen werden, wagt Dominic Pavelt das Gegenteil. Der Musikpädagoge und Musiker eröffnete kürzlich ein Tonstudio – und hat sich dabei auf Schlagzeug- und Percussion-Aufnahmen spezialisiert.

Die Freiheit, frei zu sein

Das alles war einmal Rohbau. Wo jetzt die Regie ist, war früher eine Werkstatt. Der heutige Aufenthaltsraum einst ein Hobbyraum. Auch jetzt steht hier ein Fernseher mit Soundsystem, daneben türmen jedoch Instrumente, Cases und Aufnahme-Equipment. Der Raum hinten, der Aufnahmeraum, war ein Übungsraum fürs Schlagzeug spielen, später auch ein Proberaum. Nun ist alles im Umbruch. Dominic Pavelt steht kurz davor, sein Tonstudio offiziell zu eröffnen: Benannt hat er es schlicht mit seinen Initialen: DP-Tonstudio. Gleichzeitig steht die Abkürzung auch für Drums & Percussion. Der Spezialität, der er sich im bayerischen Mittelstetten, nahe Augsburg, widmet. Oder vielleicht: widmen möchte. Denn bis kurz vor unserem Besuch war Pavelt noch beschäftigt, das Studio fertig einzurichten.

Als wir die Räumlichkeiten betreten, liegt eine gewisse Abenteuerlust in der Luft. Sie ist nicht mit der Nervosität zu verwechseln, ob das Projekt Tonstudio-Gründung überhaupt funktionieren wird. „Gibt es dafür noch einen Markt, werde ich oft gefragt. Das wird sich zeigen. Musik ist aber etwas, was immer gebraucht wird.“ Pavelts Worte strotzen vor Optimismus. Die Entscheidung, ein Studio zu gründen, war jedoch keineswegs eine leichtfertige. Er traf sie aus Leidenschaft und dem Verlangen heraus, diese Leidenschaft mit seinem Beruf als Musiker und Musikpädagoge zu verknüpfen. Dennoch hat es sich auch irgendwie ergeben, wie ­Pavelt erzählt.

Bereits vor zehn, zwölf Jahren begann Dominic Pavelt, damals noch im Team mit Bandkollegen, die Räumlichkeiten zum Tonstudio umzufunktionieren. Wann genau das war, kann er sich nicht erinnern. Was aber wenig verwunderlich ist, schließlich war die Musik schon immer ein großer Bestandteil seines Lebens. Und die Tontechnik kam eigentlich zufällig hinzu. „Wir hatten schon in der Grundschule eine richtige Rockband. Damit waren wir später auch ganz erfolgreich. Im Laufe der Zeit wollten wir uns während der Probe aufnehmen, um zu hören, wie wir klangen.“ Pavelt und seine Kollegen schufen Equipment an, bildeten sich weiter, sogar den Akustikausbau nahmen sie selbst in die Hand. Was als Leidenschafts-Projekt begann und vornehmlich zur Produktion eigener Musik dienen sollte, wuchs zu einem richtigen Studio heran.Nach ein paar Aufnahmen und Projekten kam das Projekt aber zum Stillstand. „Einfach, weil wir alle eigene Wege gegangen sind“, erklärt Pavelt. Sein Weg führte aber an der Musik nicht vorbei. Er wollte weitermachen, er wollte mehr. Nämlich die Freiheit, frei zu sein, wie er es nennt.

Dominic, du hast das Studio umbenannt, weiter optimiert, in neues Equipment investiert – eine neue Ära steht an. Wie kam es dazu, dass du DP-Tonstudio gegründet hast?

Dominic Pavelt: Ich wollte Ich wollte tiefer in die Arbeit als Tontechniker einsteigen. Es war ja ohnehin alles schon ganz tut eingerichetet. Wir haben richtig viel Arbeit reingesteckt. Es ist nicht so, dass ich dachte, ich habe eine gute Geschäftsidee und jetzt mache ich ein Tonstudio auf, damit werde ich jetzt reich. Um zum Beispiel nicht mehr unterrichten zu müssen. Darum geht es nicht. Sondern darum, dass Tontechnik ein großer Bereich meines Lebens ist, dem ich jetzt mehr Raum geben möchte.

Du unterrichtest auch?

Pavelt: Ich habe Musik studiert und unterrichte an einer Berufsfachschule für Musik. Ich unterrichte auch an der Uni in Augsburg. Dort mache ich Percussion und an der Berufsfachschule für Musik leite ich die Ausbildung in Elementarer Musikpädagogik.

Musiker, Musikpädagoge und jetzt auch Tontechniker.

Pavelt: Ja, ich habe mir ein pädagogisches Standbein geschaffen, aber genug Raum gelassen, den ich jetzt anders auffüllen kann. Ich kann jetzt wieder mehr Tontechnik machen. Oder eben, und das ist mir ganz wichtig, das zu verknüpfen mit dem Musikalischen. Über das Tonstudio möchte ich auch mein Dasein als Schlagzeuger und Percussionist weiter verbreiten.

Das Studio ist also auf Schlagzeug und Percussion spezialisiert?

Pavelt: Mein Musiker-Leben ist sehr facettenreich. Ich bin mit der Rockband genau wie mit klassischen Ensembles auf der Bühne zu Hause. Für das Tonstudiohabe ich mich gefragt: Was kann man mit diesen Räumen und Equipment am besten machen? Es ist ein kleineres Tonstudio, in dem man aber sehr gut aufnehmen kann. Ich habe dann überlegt, was alles in Frage kommt. Von der Rockband bis hin zu klassischen Solisten oder kleinen Ensembles ist alles möglich. Und meine tontechnische Begeisterung zu verbinden mit meinem Musiker-­Dasein war eigentlich der ausschlaggebende Punkt, diesen Weg jetzt einzuschlagen.

Wie sieht der genau aus?

Pavelt: Man kann hier zwar gut Bands und Ensembles aufnehmen, aber die Schwerpunkt-Arbeit von diesem Studio liegt da drauf, dass ich Drum-Tracks aufnehme. Etwa für Produzenten, die keinen Drum-Track aufnehmen können. Die können kommen und sagen, wir brauchen das und das. Sie schicken einen Guide und ich spiele das ein – Percussion und Drums.

Wie stellst du sicher, dass du die Soundvorstellungen des Auftraggebers triffst?

Pavelt: Wir sprechen darüber. Welche  Vorstellungen hat der Produzent? Dann wähle ich Sounds passend zum Genre. Wir sind dauernd im Austausch. Ich nehme etwas auf und wir sehen, ob das in die richtige Richtung geht. Der Produzent möchte eine andere Snare? Andere Becken? Natürlich kann man auch eigene Vorstellungen zur Mikrofonierung anmerken.

Hast du Lieblings-Drum-Mikros?

Pavelt: Auf jeden Fall kommen Sennheiser 421 an die Toms. Die sind einfach geil und bilden das ganze Spektrum ab. Man kann nachher damit viel machen. Man hat aber vor allem den natürlichen Klang. Ich habe manchmal Neumann KM184 als Overheads, die sind toll. Die Snare mach ich meistens mit einem SM57. Dazu nutze ich oft ein Beta 91A als Grenzfläche in der Bassdrum für den Standard HiFi-sound. Und das Electro Voice N/D 868 außen. als Mono-Raummikrofon. Toll kommen auch AKG C414 XLS als Overheads, die KM184 als Raummikros und ein Charter Oak SA538 als Omni-Raummikro in der Mitte. Das ergibt ein sehr breites und klar definiertes Schlagzeugbild.

Hast du einen Tipp für die Schlagzeug-Mikrofonierung?

Pavelt: Das wichtigste an der Schlagzeug-Mikrofonierung ist die ganze Phasen-­Geschichte. Viele kleinere Einstellungen machen da extrem viel aus. Nach der ersten Aufstellung muss man gucken, wie man die Mics anpassen kann. Es ist wichtig, sich das als erstes anzusehen. Weil da kann man am meisten machen, ohne dass der Klang gleich ganz verloren geht. Das ist besser, als mit einem aggressiven EQ rumzufummeln – da kann es schnell passieren, dass das Natürliche und der eigentliche Klang vom Instrument verschwinden. Das tut dem Mix nicht gut.

Wie siehst du den Raumeinfluss?

Pavelt: Der Raum ist sehr wichtig beim Schlagzeug. Vor allem bei manchen Genres. Wenn man zum Beispiel eine Jazz-Produktion hat, sind die Overheads alles. Und die haben natürlich auch einen großen Raumanteil. Wenn dann der Raum irgendwie total verschoben ist, dass sich etwa die Bässe total aufschaukeln, dann kann man das vergessen. Und eine Jazz-Aufnahme mit nur Close-Mics? Im Rock-/Pop-Bereich wird man mehr von den Stützmikros reinnehmen. Da sind aber die Overheads auch wichtig. Wenn man diesen natürlichen Klang will, sind es die Overheads, die alles zusammenhalten.

Positionierst du die Overheads dann zuerst?

Pavelt: Ich habe da eigentlich keinen speziellen Vorgang. Ich glaube eher, dass der Drum-Sound so Stück für Stück entsteht. Während des Aufbaus. Das Aufbauen gehört auch schon zur Aufnahme. Ich schiebe auch das Schlagzeug im Raum viel herum. Auch wenn es ein eher kleiner Raum ist, macht es große Unterschiede, wo das Set steht. Es ist vorgekommen, dass ich es mittig im Raum am besten fand, ein anderes Mal fand ich es interessant, als es hinten stand, wo ganz viel Dämmung ist. Man hat dann viel Klang, der in den Raum rein geht. Mit einem M/S-Mikro gibt das eine tolle Raumaufnahme ab. Man kann viel spielen in dem Raum. Weil er ein hartes Ende hat, wo der Raum mehr lebt und ein relativ totes Ende, wo viel geschluckt wird. Das heißt, während des Aufbaus passieren schon Mix-technische Sachen.

Lass uns gedanklich in die Regie wechseln. Gibt es spezielle Preamps, die du nutzt?

Pavelt: Die Overheads gehen eigentlich immer durch den dbx-789-Preamp. Der löst wahnsinnig gut auf und ist sehr direkt. Auch Vocals kommen richtig gut rüber.

Gibt es sonst noch Geräte, die du gerne verwendest?

Pavelt: Ja, den dtc MindPrint. Der ist super-musikalisch. Vor allem im EQ. Manchmal schicke ich die Toms durch den dtc. Mit dem kann man da eigentlich wenig falsch machen. Ich nehme immer clean auf. Das heißt ohne Kompression und EQ. Gates brauche ich deshalb auch nicht. Das mache ich alles hinterher In-the-Box oder mit Outboard. Momentan geht alles in das Antelope Audio Zen Studio. Früher hatte ich einen anderen Wandler, mit dem neuen Computer ging der aber nicht mehr. Es musste also ein neues Interface beziehungsweise ein neuer ­Wandler her, da habe ich mich für den Antelope entschlossen. Man kann das Gerät auch gut rausnehmen und überall hin mitnehmen.

Bietest du mobile Aufnahmen an?

Pavelt: Ja. Ich habe zum Beispiel im klassischen Bereich gearbeitet. Dabei ist der Raum extrem wichtig. Man geht deshalb in Säale, wo die Musiker auch sonst spielen würden. Man schneidet ja eigentlich ein Konzert mit. Es ist sozusagen eine Live-Aufnahme ohne Publikum. Das funktioniert ganz anders als eine Studio-Produktion.

Wie hörst du in der Regie ab?

Pavelt: Ich hab Yamaha NS-10 und Adam S2.5A und Shure Kopfhörer. Da wechsel ich eigentlich hin-und-her.

Warum genau diese Monitore?

Pavelt: Die Adam-Monitore habe ich schon lange. Damals haben wir sie fest in die Wand eingebaut. Da wäre es gar nicht so einfach, einfach mal andere rein zu tun. Möchte ich ja auch nicht, weil die machen ihren Job gut. Die NS-10 klingen eigentlich schrecklich. Aber man hört da gerade den ganzen Mitten-Bereich, was sonst ein bisschen untergeht bei den Adams.

Und der Kopfhörer?

Pavelt: Der Shure SRH1440 löst nach oben extrem auf. Da ist er super und ansonsten relativ linear. Er hilft auch dabei, ein ganzheitliches Bild davon zu machen, was in der Musik passiert.

Mischst du auch über Kopfhörer?

Pavelt: Ich nehme den Kopfhörer auch für den Mix. Aber ich würde das nicht nur so machen.

Wäre es genauso ein Fehler, nur über ein Monitor-Paar abzuhören?

Pavelt: Bestimmt. Und wichtig ist, mit seinem Gehör gut umzugehen. Das Gehör ist ein Sinnesorgan, das sich schnell anpasst – gerade im hochfrequenten Bereich. Man gewöhnt sich innerhalb von Minuten dran und hört das Klangbild dann nicht mehr richtig. Die Höhen sind zu laut eingestellt, aber es kommt einem nicht so vor. Es kommt zum typischen Fall, dass man sich am nächsten Tag hinsetzt und sich fragt: „Wer hat denn das gemischt?“ (lacht)

Wie wirkst du dem entgegen?

Pavelt: Einfach eine Pause machen. Und für mich ist es am besten, an die frische Luft zu gehen und natürliche Geräusche zu hören. Das holt mich wieder runter.

Bietest du Mixing auch an?

Pavelt: Das Mixing biete ich auch an. Mastering mache ich nicht. Ich könnte es natürlich laut machen oder nach meinem Geschmack mastern. Aber es gibt nicht umsonst Mastering-Studios, die spezielle Geräte und Räume haben. Wenn jemand also eine wettbewerbsfähige Produktion will, dann würde ich dem empfehlen, auch in ein Mastering-Studio zu gehen.

Siehst du auch den Vorteil, dass die Produktion eine andere Person mastert als mischt?

Pavelt: Das ist grundsätzlich kein schlechtes Konzept. ­­Der Mastering-Engineer hört das Ganze mit frischen Ohren und bringt neuen Input und Ideen. Da kann man immer noch sagen: „Ich hab's mir aber anders vorgestellt.“ Vom kreativen Verlauf her find ich das interessant.

Siehst du dich als Produzent oder als Engineer?

Pavelt: Schon eher als Produzent, aber nur wenn es auch gewünscht ist. Wenn jemand mit einer fertigen Vorstellung kommt, dann ist das natürlich kein Problem für mich. Ich muss mich nicht einmischen. Aber mein musikalisches Verständnis würde ich sonst einbringen und mitwirken.

Hast du das so lieber?

Pavelt: Ja, dann kann ich kreativ als Musiker mit dabei sein. Und so mit diesem Projekt zusammenwachsen. Das ist, was mich interessiert.

Muss dir die Musik dazu gefallen oder bist du da ganz schmerzfrei?

Pavelt: Es ist nicht so, dass es mir ganz egal ist. Mein musikalischer Raum ist groß, ich finde viele Sachen total interessant. Ich probiere auch gerne Neues aus. Aber es gibt auch Sachen, die mir weniger Spaß machen. Solche Produktionen nur zu mischen ist wieder etwas anderes. Aber die Sachen auch einzuspielen ist schwieriger, weil ich mich da als Person nicht so wiederfinde.

Solche Aufträge lehnst du also ab?

Pavelt: Da sage ich offen, dass es nicht mein Ding ist. Ich bin da ehrlich. Wenn man solche Sachen annimmt, aber bereits weiß, da bin ich mir unsicher, oder ich mag das nicht machen, leidet von vornherein das Projekt drunter. Das ist für alles Seiten schwierig und kein Gewinn. Indem ich etwas einspiele, bringe ich einen großen Teil von mir mit rein. Und dann stehe ich auch zu 100 Prozent dazu und dahinter.

Danke für das Gespräch, Dominic, und viel Erfolg für das Studio!