Audified MixChecker

Wenn der eigene Mix auf vielen Anlagen gleich klingen soll, ist es hilfreich, schon bei der Arbeit über mehrere verschiedene Abhör-Situationen verfügen zu können. Audified bringt diese Möglichkeiten mit dem MixChecker in die DAW.

Abhörvielfalt

Jeder kennt den Effekt: Man hat lange an einem Mix gesessen, holt die Bandkollegen mit dem Auto ab, schmeißt stolz den neuen Mix an – und er zerfällt völlig. Die Snare dröhnt, die Gitarre bohrt sich quer ins Ohr und ... war da nicht ursprünglich mal ein Bass? Warum hat das auf der eigenen Abhöre so toll geklungen?

Gut, in so übertriebener Form passiert es nun doch nicht allzu oft. Das liegt zum einen daran, dass wir (hoffentlich) in ordentliche Monitore investiert haben. Zum anderen hören wir uns unsere Mixes aber auch schon auf anderen Anlagen an, bevor wir sie vorführen. Je nach Gegebenheiten muss man dafür aber immer erst einen Mixdown machen und das entstandene File auf CD brennen oder auf einem USB-Stick zur anderen Anlage bringen – ein direktes A/B-Hören gibt es nicht.

Gemitteltes Hören

Audified packen daher in Plug-in-Form, was sich große Studios mit deutlich höherem Aufwand anschaffen: viele verschiedene Abhören. Der MixChecker kommt in den Ausgangskanal der DAW und kann dort die Klangcharakteristik verschiedenster Wiedergabe-Optionen simulieren. Dabei geht es Audified nicht darum, ganz konkrete Geräte klanglich nachzubilden. Vielmehr haben die Tschechen versucht, den Mittelwert bestimmter Gerätekategorien zu bilden, also den Charakter einer bestimmten ART von Abhöre einzufangen.

Wenn auf dem Knöpfchen also ein Tablet zu sehen ist, dann meint das nicht ein iPad oder ein Samsung Galaxy Tab oder was sonst, sondern eben genau den durchschnittlichen Charakter von Geräten dieser Art. Lediglich zwei Ausnahmen müssen wohl gemacht werden: Die ersten beiden Buttons zeigen eindeutig NS-10 und Auratones. Die anderen Buttons stellen Kopfhörer, Smartphone, Tablet, Laptop-Lautsprecher, Auto-Anlagen, Fernseher, Hifi-Stereoanlagen, Küchenradios, PC-Boxen und In-Ear-Stöpsel nach.

Das tun sie auch nachvollziehbar. Sein wir ehrlich, absolut alle Einstellungen klingen grauenhaft – aber das ist ja eben genau der Punkt. Die Presets sollen nicht gut klingen, sie sollen keine kleinen, scheußlich klingenden Billiglautsprecher in NS-10 verwandeln, sondern umgekehrt: auf guten Monitoren auch mal weniger optimale Situationen nachbilden. Tatsächlich kann das Gegenhören über den MixChecker die eine oder andere Schwäche im Mix aufdecken.

Kein Zauberwerkzeug

 Das darf man aber nicht missverstehen, der MixChecker ist kein Wunderwerk, mit dem alles besser wird. Tatsächlich hat er einige Schwächen: Die „Compensation“, die das Ergebnis des MixChecker an die eigene Abhöre anpassen soll, scheint mehr Spielerei. Prinzipbedingt kann das Audified-Plug-in auch natürlich nicht alle Charakteristika der echten Abhören nachahmen. Eine große, massive Studio-Wand wird auch durch den MixChecker nicht zu den direkten Hörwerkzeugen mit den berühmten weißen Membranen. Ein Monitor mit eher schwammigem Stereobild präsentiert auch mit dem MixChecker nicht die präzise Breite der guten alten Brüllwürfel.

Das störendste ist aber der Pegelunterschied. Schaltet man MixChecker in den Bypass, springt der Pegel um 5 bis 6 dB an! Das sollte so nicht passieren, hier sollte Audified nachbessern.

Fazit

Trotz der Kritikpunkte muss man sagen: So günstig und einfach kommt man nicht an derart viele Abhören. Während des Mixes in eine andere Hörumgebung umschalten zu können ist eine Möglichkeit, die nicht viele Studios bieten. Wenn Audified das Problem mit den Pegelsprüngen in den Griff kriegt, steht einer uneingeschränkten Empfehlung nichts mehr im Wege.