Audified InValve Effects

Mit Röhre klingt alles besser, meinen manche. Audified bieten mit den Effekten der InValve-Serie eine günstige Möglichkeit, das zu überprüfen.

Virtuelle Glühkolben

Es sind schon seltsame Zeiten, wenn die Technik besser ist, als wir wollen. Wir können heute Aufnahmen machen, die fast vollständig linear und damit nahezu identisch die Quelle abbilden. Und das einzige, was uns ob solche sauberer Aufnahmen einfällt, ist die Frage: Wo nehmen wir jetzt den Dreck her?

Jaja, ganz so sauber will man es dann eben oft doch nicht haben. Also greifen wir zu altem Vintage-Equipment oder zu neuen Geräten, die auf Vintage-Equipment basieren, und wir drehen und schrauben, bis es wieder überall ächzt wie vor zwanzig Jahren. Schön. Das Problem ist dabei, das rechte Maß zu finden – zwischen angenehmer Sättigung und brutaler Verzerrung verläuft ein recht schmaler Grat.

Bei den Plug-ins der InValve-Serie von Audified muss man sich da keine Sorgen machen. Der Regler für die Sättigung tut genau das, was er soll, nämlich sättigen, nicht zerren. Signale werden voller, cremiger, spannender und lebendiger, ohne aber zu aggressiv zu geraten. Mit zwei der drei Plug-ins kann man dann sogar noch weitere Bearbeitungen anstellen.

Mehr als nur Sättigung

Lediglich der InValve Preamp bietet die „Valve Saturation“ als einziges Feature. InValve Equaliser und InValve Compressor sind genau die Prozessoren, die man sich hinter den Namen vorstellt. Der EQ bietet eine enorm breite Palette von wirklich kleinen Eingriffen bis hin zu breiter, musikalischer Manipulation auf vier Bändern mit zusätzlichen Hoch- und Tiefpassfiltern. Etwas zickig ist der Frequenzregler, der in den Randbereichen mit viel Fingerspitzengefühl an der Maus bedient werden will, soll er eine bestimmte Frequenz treffen. Ansonsten klingt der InValve Equaliser gut, wenn auch nicht herausragend.

Eine andere Kategorie ist da schon der InValve Compressor. Meine Güte, was sich da besonders aus perkussiven Signalen noch an Druck und Lautheit kitzeln lässt, das ist schon fein! Natürlich tut sich ein Röhren-Simulator da etwas leichter als ein klinisch sauberer digitaler Verdichter, muss letzterer doch jedes Clipping vermeiden, während der erstere es gewinnbringend nutzen kann. Dennoch macht es Spaß, mit dem InValve Compressor Drums oder rhythmischen Akustikgitarren mehr Glanz und Punch zu verleihen.

Subtil durchgesättigt

Angesichts EQ und Kompressor fragt man sich zunächst schon, was eigentlich das Preamp-Modul soll. Will man den Röhren-Sound auf einem Signal, kann man ihn doch direkt aus dem Entzerrer oder der Dynamikabteilung holen. Erst mit etwas Überlegung und Praxisarbeit kommt man dahinter: Die große Stärke der InValve-Serie ist ihre Subtilität. Die Obertöne brüllen dem Hörer nicht in Gesicht, sondern überziehen die Signale mit einem zurückhaltenden Glitzern, das ihren Eigenklang unterstreicht.

Dieser Effekt addiert sich, und genau deshalb ist der Preamp wichtig. Hat man Signale, für die man keinen Kompressor und keinen EQ einsetzen oder deren Bearbeitung man mit ganz speziellen Tools vornehmen möchte, so kann der Preamp trotzdem die InValve-Klangpatina auftragen, ohne mehr Ressourcen zu verbrauchen als nötig.

Fazit

Audifieds InValve-Serie erfordert eine gewisse Einarbeitung und die Erfahrung zu wissen, wie viel Sättigung dann doch zu satt ist. Man kann problemlos jede Spur in einem Mix mit den virtuellen Kolben dieser Plug-ins veredeln, man sollte dann aber schon wissen, was Zurückhaltung ist. Glücklicherweise bleiben die InValves auch bei voll aufgedrehtem Kolbenrumms dezent und machen das Signal einfach nur ein bisschen hübscher.