Antelope Zen Tour

Audio Interfaces im Design eleganter Desktop-Konsolen sind gefragt. Intuitive Handhabung und Kontrolle, gute Übersicht sowie eine angenehme Haptik zeichnen diesen Gerätetyp aus.

Auf Touren

Bereits auf den ersten Blick weckt das Antelope Zen Tour das Interesse des Anwenders. Das Design und der haptische Eindruck dieses mobilen Thunderbolt/USB-Audio-Interfaces machen Lust auf mehr. Auch hinsichtlich der Performance verspricht das Zen Tour Großes, haben sich die Entwickler doch an der Rack-Version, dem Zen Studio, orientiert.

Das Gehäuse des ZEN Tour bietet ausreichend Platz für die enorme Fülle an Features und Steuerungsfunktionen. Sämtliche Bedienelemente sind auf optimale Ergonomie sowie ein hohes Maß an Funktionalität ausgerichtet. Das Gerät ist mit einem großen Drehgeber ausgestattet, der je nach Adressierung die Lautstärke der Monitorausgänge, die Line-Out-Pfade oder die Lautstärke der beiden Kopfhörerwege bestimmt. Daneben  sind die Schalter für Gain, Headphone Select und Talkback angeordnet. Der von anderen Antelope-Modellen bekannte Function-Button ermöglicht den Zugriff auf die Menüebenen. Zentrales Bedienelement ist jedoch ein 3,5-Zoll-Touchscreen-Monitor. Ein absolutes gelungenes Feature, das den Umgang mit dem Interface noch flinker und zielgerichteter macht. Da das Zen Tour als mobiles Interface fungieren soll, darf nicht unerwähnt bleiben, dass für die Stromversorgung ein Netzteil erforderlich ist.

Verbindungen

Auch hinsichtlich der Anschlüsse scheint Antelope Audio neue Maßstäbe setzen zu wollen: Eine größere Anbindungsvielfalt scheint in einem derart kompakten Desktop-Modell kaum vorstellbar. Das Zen Tour bietet vier Mic-Eingänge als Kombo-Buchsen, die über Klinke auch Line-Level empfangen ­könen, und vier hochohmige Instrument-Klinkeneingänge. Ausgangsseitig verfügt das Desktop-Interface über acht an einem D-Sub-Stecker anliegende Line-Pfade sowie zwei Reamping-Outs. Die Funktionsvielfalt wird ganz nebenbei um eine hochwertige Library an Vintage-Effekten und Gitarren-Amp-Applikationen erweitert, die auf dem DSP des Zen Tour berechnet werden. Je weitere 16 Kanäle rein und raus an ADAT-Lightpipe-Ports sowie der obligatorische S/PDIF In/Out runden das Angebot ab. Produzentenherz – was willst du mehr. Verwaltet und beschaltet wird das Ganze über eine Matrix innerhalb der Antelope-Software auf dem Host-Rechner des Anwenders, innerhalb der sich die Signale via Drag-and-drop ein- und ausgangsseitig zuweisen lassen.

Installation & Handhabung

Das Zen Tour läuft auf Windows 7 bis 10 und Mac OS Yosemite bis ­Mavericks. Das Interface lässt sich über den Touch-Screen sowie über die Antelope-Kontrollsoftware steuern. Hierfür stehen neben Desktop-Versionen auch Apps für iOS- und Android-Geräte bereit. Auf dem Desktop-Computer ist die Erstinstallation bei Antelope generell ein wenig kompliziert, da sie nur mit einem komplexen Registrierungsprozess abzuschließen ist.

Technische Performance

Wer Antelope Audio kennt, weiß, dass der Hersteller stets auf höchstem Leistungsniveau produziert. Das Zen Tour unterstützt mit 32x32 Ein- und Ausgangskapazität bei bis zu 192 kHz sowohl Thunderbolt wie auch ein eigens entwickeltes USB-Protokoll. Darüber lassen sich bei identischer Samplerate allerdings nur 24x24-Streams realisieren – also maximal 24 Ein- und 24 Ausgänge gleichzeitig. Der Dynamikumfang des Zen-Tour-Interface wird vom Hersteller mit 129 dB angegeben. Die integrierten Vorstufen ermöglichen eine Verstärkung um bis zu 65 dB. Was die interne sowie externe Taktung des digitalen Umfelds anbelangt, liefert Antelope mit der eigens entwickelten Clock – wie zu erwarten – Bestwerte. Synchronisation gehört schließlich zur Paradedisziplin des in Kalifornien ansässigen Herstellers.

Praxis

Wer sein Arbeitsumfeld etwas komfortabler gestalten möchte, der sollte einen zweiten Monitor mit einbinden, um die DAW und das Control Panel des Zen Tour gleichzeitig im Auge zu behalten. Dank seines gelungenen Designs fügt sich das Desktop-Interface hervorragend in jedes Arbeitsumfeld ein und lässt sich mobil ebenso leicht in einem Laptop-Rucksack verstauen.

Das Touch-Display wie auch die Anordnung der Schaltfunktionen ermöglichen einen intuitiven wie zielgerichteten Umgang, ohne dass die Bedienungsanleitung erforderlich wäre. Die Güte der Mikrofonvorverstärker darf als hochwertig bezeichnet werden – ohne dabei klangliche Eigenheiten zu entwickeln. Derlei charakteristische Einflüsse lassen sich jedoch über die mitgelieferten ­FPGA-Effekte realisieren – Geräte-Klassiker im Stile eines Pultec-EQs, eines UREI-1176-Kompressors oder anderer lassen sich in den Signalkreislauf einbinden. Die Qualität der umfangreichen Gitarrenverstärker-Simulationen entspricht einem durchaus gehobenen Standard. Die Möglichkeit des Reampings  gibt dem Anwender die Möglichkeit, den zunächst aufgezeichneten Gitarren-Track jederzeit wieder unter realen Aufnahmebedingungen nach seinen Idealvorstellungen zu gestalten.

Fazit

Das Zen Tour von Antelope Audio ist mehr als nur ein mobiles Rundum-sorglos-Paket. Dieses Desktop-Konzept liefert schlichtweg alles, was es in einer überschaubaren Aufnahmeumgebung braucht und bietet bei einer Fülle an Funktionen darüber hinaus die Möglichkeit, sich problemlos auch in größere Studioumgebungen einzufügen.